Batch-Picking und Wave-Picking

Batch-Picking und Wave-Picking sind die nächste Stufe nach dem Single-Order-Picking: Statt jeden Auftrag einzeln zu kommissionieren, bündeln diese Strategien mehrere Bestellungen in einem Durchgang. Das reduziert Laufwege, steigert die Durchsatzrate und macht Fulfillment-Center skalierbar – vorausgesetzt, Sortierung, Technik und Prozesse sind sauber aufgesetzt.

Dieser Leitfaden erklärt beide Verfahren, ihre Unterschiede, typische Einsatzszenarien und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einführung im Kommissionierungs- und Picking-Bereich.

Was ist Batch-Picking?

Beim Batch-Picking (auch Multi-Order-Picking oder Sammelkommissionierung) sammelt ein Kommissionierer Artikel mehrerer Aufträge gleichzeitig in einem Laufweg. Die Pickliste enthält aggregierte Mengen: Statt dreimal einzeln zum Regal A zu laufen, entnimmt der Mitarbeiter drei Stück in einem Gang und sortiert sie anschließend den jeweiligen Aufträgen zu.

Der entscheidende Unterschied zum Single-Order-Picking: Zwischen Entnahme und Packen liegt ein Sortierschritt. Ohne diesen Schritt steigt das Fehlerrisiko massiv – deshalb ist Batch-Picking praktisch immer an Scan-Technik und ein WMS gekoppelt.

Prozessfluss: Batch-Picking

1
Aufträge bündeln
2
Sammel-Pickliste
3
Laufweg optimieren
4
Sammelentnahme
5
Sortierung pro Auftrag
6
Scan-Kontrolle
7
Übergabe Packplatz

Typische Batch-Größen

Die optimale Batch-Größe hängt von Artikelvielfalt, Lagerlayout und verfügbarer Sortierkapazität ab:

  1. Kleine Batches (5–15 Aufträge): Geeignet für Einsteiger mit manueller Sortierung an Packtischen
  2. Mittlere Batches (15–40 Aufträge): Standard in wachsenden E-Commerce-Lagern mit WMS-gestützter Sortierung
  3. Große Batches (40+ Aufträge): Nur mit dedizierten Sortierstationen, Pick-to-Light oder automatischer Sortierung sinnvoll
Wichtig: Batch-Picking lohnt sich vor allem bei vielen Aufträgen mit wiederkehrenden Artikeln. Bei stark individualisierten Bestellungen (z. B. personalisierte Produkte) überwiegen oft die Sortierkosten den Laufwegvorteil.

Was ist Wave-Picking?

Wave-Picking ist keine Alternative zu Batch-Picking, sondern eine planerische Ebene darüber: Das WMS gruppiert Aufträge zu Wellen (Waves) nach definierten Kriterien und gibt sie zeitlich gestaffelt an die Kommissionierung frei. Eine Wave kann Single-Order-, Batch- oder Zone-Picks enthalten – je nach Konfiguration.

Typische Wave-Kriterien sind:

  • Cut-off-Zeit des Carriers (z. B. DHL-Abholung 16:00 Uhr)
  • Versandart (Standard, Express, Same-Day)
  • Verkaufskanal (Shop, Marktplatz, B2B)
  • Lagerzone oder Kommissionierbereich
  • Priorität (Premium-Kunden, SLA-kritische Aufträge)

Wave-Freigabe an einem Versandtag

08:00
Wave 1 (Express)
10:00
Wave 2 (Standard Vormittag)
13:00
Wave 3 (Marktplatz)
15:00
Wave 4 (Standard Nachmittag)
16:30
Wave 5 (Cut-off Rest)

Batch-Picking vs. Wave-Picking – der Unterschied

Viele Betriebe verwechseln beide Begriffe. Kurz zusammengefasst:

  • Batch-Picking beschreibt die physische Methode: Ein Picker sammelt Artikel mehrerer Aufträge in einem Gang.
  • Wave-Picking beschreibt die zeitliche und logische Steuerung: Wann und in welcher Gruppe Aufträge freigegeben werden.

Ein Lager kann Wave-Picking nutzen, ohne Batch-Picking einzusetzen (z. B. Waves mit reinem Single-Order-Picking). Umgekehrt ist Batch-Picking ohne Wave-Steuerung möglich, aber bei höherem Volumen selten effizient.

Vergleich der Pick-Strategien

Kriterium
Single-Order
Batch-Picking
Wave-Steuerung
Laufwegeffizienz
Niedrig bei hohem Volumen
Hoch durch Bündelung
Optimiert Zeitfenster und Kapazität
Sortieraufwand
Keiner
Mittel bis hoch
Abhängig von Pick-Methode in der Wave
Fehlerrisiko
Niedrig
Mittel ohne Scan – hoch mit Scan niedrig
Steuerbar durch Wave-Größe und Priorisierung
Technikbedarf
Gering (Papierliste möglich)
WMS und Scanner empfohlen
WMS mit Wave-Engine zwingend
Skalierung
Bis ca. 80 Aufträge/Tag
80–500+ Aufträge/Tag
Ab 100+ Aufträge/Tag sinnvoll
Einarbeitung
Einfach
Mittel (Sortierprozess)
Komplex (Planung und Monitoring)

Wann lohnt sich Batch-Picking?

Die Entscheidung sollte auf KPIs basieren, nicht auf dem Wunsch nach „professionellerem" Lager. Batch-Picking ist wirtschaftlich sinnvoll, wenn diese Bedingungen erfüllt sind:

Positive Indikatoren:

  • Mehr als 80 bis 100 Aufträge pro Tag
  • Hoher Anteil an Mehr-Positionen-Bestellungen mit überschneidenden Artikeln
  • Laufwege sind der dominierende Kostenfaktor (große Lagerfläche, weitläufiges Lagerlayout)
  • WMS und Scanner-Infrastruktur sind vorhanden oder budgetiert
  • Dedizierte Sortierfläche oder Packtische mit klarer Auftragszuordnung

Warnsignale gegen Batch-Picking:

  • Unter 50 Aufträgen täglich – der Sortieraufwand frisst den Laufweggewinn
  • Sehr heterogene Artikel (Sperrgut gemischt mit Kleinteilen) ohne getrennte Pick-Zonen
  • Kein WMS – manuelle Batch-Listen führen schnell zu Verwechslungen
  • Hohe Fehlerquote beim bestehenden Picking – erst Prozesse stabilisieren, dann skalieren

Wave-Picking in der Praxis planen

Eine durchdachte Wave-Planung verbindet Auftragseingang, Kommissionierung und Pick-Pack-Ship-Prozess zu einem steuerbaren Tagesablauf.

Schritt-für-Schritt: Wave-Planung einrichten

  1. Cut-off-Zeiten definieren: Ab wann eingehende Aufträge in die nächste Wave rutschen?
  2. Prioritätsregeln festlegen: Express vor Standard, B2B-SLAs vor Retail
  3. Kapazität pro Wave kalkulieren: Wie viele Picker und Packplätze stehen pro Zeitfenster zur Verfügung?
  4. Wave-Größe begrenzen: Lieber mehrere kleine Waves als eine überfüllte Wave mit Stau am Packtisch
  5. Monitoring einrichten: Offene Aufträge, Pick-Fortschritt und Pack-Queue in Echtzeit überwachen
  6. Peak-Szenarien testen: Black Friday und Weihnachten erfordern angepasste Wave-Frequenz und Batch-Größen

Wave-Planung – Prozesskreislauf

1
Auftragseingang
2
Wave-Kriterien prüfen
3
Wave zuweisen
4
Pick freigeben
5
Pack / Versand
6
Abschluss / Reporting

Wave-Typen im Überblick

Wave-Typ
Steuerungskriterium
Typischer Einsatz
Risiko bei Fehlplanung
Zeitbasierte Wave
Feste Uhrzeiten (z. B. stündlich)
Gleichmäßige Tagesauslastung
Stau vor Carrier-Cut-off
Cut-off-Wave
Abholzeit des Versanddienstleisters
Standard-E-Commerce mit festen Abholungen
Verspätete Lieferung bei verpasster Wave
Prioritäts-Wave
Express, Premium, SLA
Same-Day, B2B-Verträge
Standardaufträge verhungern
Zonen-Wave
Lagerbereich oder OG
Große Lager mit mehreren Stockwerken
Ungleiche Auslastung der Zonen
Kanal-Wave
Shop, Amazon, Otto, B2B
Multi-Channel mit unterschiedlichen SLAs
Falsche Versandart oder Label

Sortierung: Der kritische Erfolgsfaktor

Beim Batch-Picking entscheidet die Sortierung über Qualität und Geschwindigkeit. Gängige Verfahren:

Manuelle Sortierung am Packtisch

Der Picker legt Artikel in Totes oder Fächer; am Packtisch erfolgt die Auftragszuordnung. Geringe Investition, aber Engpass bei großen Batches.

Pick-to-Tote mit Scan

Jede Tote ist einem Auftrag zugeordnet. Scan bestätigt die Zuordnung sofort – Fehler werden akustisch oder visuell gemeldet.

Zentraler Sortiermodul (Put-Wall)

Nach dem Sammelpick sortieren Mitarbeiter gescannte Artikel in Fächer pro Auftrag. Hoher Durchsatz, aber höherer Investitions- und Platzbedarf.

Tipp: Starte mit kleinen Batches (max. 10 Aufträge) und erweitere erst, wenn die Pick-Genauigkeit über mindestens vier Wochen stabil über 99,5 Prozent liegt.

KPIs für Batch- und Wave-Picking

Erfolg messen Sie an durchgängigen Kennzahlen entlang des Pick-Pack-Ship-Flows:

Pick-Genauigkeit

über 99,5 %

Aufträge pro Picker/Stunde

25–45

Sortierzeit pro Auftrag

unter 90 Sekunden

Wave-On-Time-Rate

über 95 %

Wichtige Kennzahlen: Lines per Hour (LPH), Travel Time Ratio (Ziel unter 40 %), Batch Utilization, Wave Completion Rate und Pick-to-Pack-Time.

Checkliste: Einführung von Batch- und Wave-Picking

Vor der Einführung:

  • WMS mit Batch- und Wave-Funktion aktiv und getestet
  • Scanner an jedem Pick- und Sortierplatz verfügbar
  • Laufwege im WMS gepflegt und Lagerplätze korrekt gebucht
  • Sortierkonzept definiert (Totes, Fächer, Put-Wall)
  • Schulung für Picker und Packer durchgeführt
  • Testlauf mit 5–10 Aufträgen erfolgreich abgeschlossen

Beim Rollout:

  • Batch-Größe konservativ starten (max. 10–15 Aufträge)
  • Erste Wave nur mit Standardversand, keine Express-Aufträge
  • Live-Monitoring der Pick- und Pack-Queues
  • Fehlerprotokoll für Sortierfehler führen
  • Tägliches Kurz-Review in den ersten zwei Wochen
  • Batch-Größe erst nach stabiler Genauigkeit schrittweise erhöhen
Batch-Picking ohne Scan-Pflicht an jeder Entnahme und Sortierung ist ein häufiger Auslöser für falsche Lieferungen. Investition in Scanner und Barcode-Equipment zahlt sich schneller aus als Reklamationskosten.

Kombination mit anderen Strategien

In reifen Fulfillment-Centern kombinieren Betriebe Batch- und Wave-Picking häufig mit Zonen oder Single-Order für Express-Aufträge. Die Übersicht aller Pick-Strategien hilft bei der Einordnung der passenden Kombination.

Pick-Strategien-Reifegrad

Stufe 1
Single-Order
Stufe 2
Batch-Picking
Stufe 3
Wave-Steuerung
Stufe 4
Zone + Batch + Wave

Häufige Fehler vermeiden

Typische Stolpersteine: zu große Batches zu früh, Waves ohne Kapazitätsplanung, fehlende Express-Priorisierung und kein KPI-Feedback-Loop. Klare Verantwortlichkeiten für Pick, Sort und Pack sind Pflicht.

Häufig gestellte Fragen

Ab wann lohnt sich Batch-Picking? In der Regel ab 80–100 Aufträgen pro Tag, sofern WMS und Sortierprozess vorhanden sind.

Ist ein WMS für Wave-Picking zwingend? Ja, Wave-Picking erfordert praktisch ein WMS mit Wave-Engine zur zeitlichen Steuerung der Auftragsfreigabe.

Was ist Cluster Picking? Eine Variante, bei der Artikel mehrerer Aufträge gleichzeitig gesammelt werden, ohne separaten Sortierschritt – geeignet nur bei sehr homogenen Bestellungen.

Fazit

Batch-Picking reduziert Laufwege durch Bündelung mehrerer Aufträge; Wave-Picking steuert zeitlich, wann Auftragsgruppen freigegeben werden. Beides setzt WMS, Scan-Kontrolle und einen klaren Sortierprozess voraus. Wer vom Single-Order-Picking umsteigt, startet mit kleinen Batches und steigert erst nach stabiler Pick-Genauigkeit.

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