Put-Away und Einlagerung

Put-Away (englisch fuer „Wegbringen“ oder „Einlagern“) bezeichnet den Lagerprozess, bei dem Ware nach dem Wareneingang von der Annahmezone an den definitiven Lagerplatz transportiert und dort gebucht wird. Im deutschen Fulfillment-Kontext wird Put-Away synonym mit Einlagerung, Einraeumen oder Lagerplatzierung verwendet. Es ist der entscheidende Schritt zwischen Wareneingangspruefung und der spaeteren Kommissionierung – und damit die Grundlage fuer korrekte Bestandsfuehrung, kurze Pick-Laufwege und zuverlaessige Lieferzeiten.

Ein schlecht organisierter Put-Away-Prozess verursacht Folgekosten: Artikel landen auf falschen Plaetzen, Bestaende stimmen nicht, Pickfehler steigen und teure Regalflaeche wird verschwendet. Professionelles Put-Away hingegen verbindet physische Logistik mit intelligenter Lagerplatzlogik – manuell im Kleinlager oder vollautomatisch im modernen Fulfillment Center.

Definition: Was Put-Away im Fulfillment bedeutet

Put-Away beginnt, sobald eingehende Ware die Wareneingangspruefung bestanden hat und fuer den Verkaufsbestand freigegeben ist. Der Prozess endet, wenn die Ware physisch am Ziel-Lagerplatz liegt und das WMS (Warehouse Management System) den Bestand auf Lagerplatzebene aktualisiert hat.

Im engeren Sinne umfasst Put-Away:

  1. Lagerplatzermittlung: Das System oder der Mitarbeiter bestimmt den optimalen Stellplatz nach Regeln (ABC-Klasse, Groesse, Temperatur, FIFO).
  2. Transport: Hubwagen, Foerderband, AGV oder manueller Transport von der Wareneingangszone zum Zielplatz.
  3. Buchung: Scan des Lagerplatzes und der SKU – Bestand wird von „Wareneingang“ auf „verfuegbar am Lagerplatz X“ umgebucht.
  4. Bestaetigung: Abschluss im WMS, damit die Ware fuer Picking und Auftragsfreigabe sichtbar ist.

Prozessfluss: Put-Away im Wareneingang

1
Lieferung annehmen
2
Wareneingangspruefung
3
Lagerplatzvorschlag (WMS)
4
Transport zum Zielplatz
5
Scan und Buchung
6
Bestand verfuegbar fuer Picking

Abgrenzung: Put-Away vs. Wareneingang vs. Einlagerung

Die Begriffe werden oft vermischt, unterscheiden sich aber klar:

  • Wareneingang: Gesamter Prozess der Annahme, Pruefung und Dokumentation eingehender Lieferungen.
  • Put-Away: Spezifisch der Transport und die Buchung vom Wareneingang zum Lagerplatz.
  • Einlagerung: Oberbegriff auf Deutsch, der Put-Away und ggf. die vorherige Pruefung umfasst.

Im Pick-Pack-Ship-Ablauf liegt Put-Away am Anfang der Lagerkette – noch bevor Auftraege kommissioniert werden. Fehler hier wirken sich auf den gesamten Fulfillment-Prozess aus.

Put-Away-Strategien im Ueberblick

Die Wahl der Einlagerungsstrategie beeinflusst Laufwege beim Picking, Lagerplatznutzung und Durchsatz im Wareneingang. Jedes Modell optimiert einen anderen Hebel.

Strategie
Funktionsweise
Vorteile
Nachteile
Typischer Einsatz
Direktes Put-Away
Ware wird sofort nach Pruefung am endgueltigen Lagerplatz eingelagert
Einfach, wenig Zwischenlager, schnell verfuegbar
Engpass bei hohem Wareneingangsvolumen
Kleinlager, wenige SKUs, geringes Tagesvolumen
Gesteuertes Put-Away (WMS)
System schlaegt Lagerplatz nach Regeln vor (ABC, FIFO, Zone)
Optimale Platznutzung, konsistente Regeln
WMS und saubere Stammdaten noetig
Mittleres bis grosses Lager, Multi-SKU-Sortiment
Cross-Docking
Ware wird nicht eingelagert, sondern direkt zum Versand weitergeleitet
Keine Lagerkosten, schnelle Durchlaufzeit
Nur bei passender Auftragslage moeglich
Just-in-Time, vorbestellte Ware, Peak-Vorlauf
Fixed-Location
Jede SKU hat einen festen Lagerplatz
Intuitiv, schnelles Auffinden beim Pick
Ineffizient bei schwankenden Bestaenden
Wenige Artikel, hohe Stueckzahlen pro SKU
Chaotische Lagerung
Freie Plaetze werden dynamisch belegt, WMS fuehrt die Zuordnung
Maximale Flaechenauslastung
Scanner und WMS zwingend erforderlich
Fulfillment Center, viele SKUs, hohe Umschlaghaeufigkeit

Lagerplatzwahl: Worauf es beim Put-Away ankommt

Die Qualitaet des Put-Away haengt massgeblich von der Lagerplatzlogik ab. Ein gutes WMS beruecksichtigt bei der Platzvorschlag-Generierung mehrere Faktoren gleichzeitig.

ABC-Analyse und Umschlaghaeufigkeit

Schnelldreher (A-Artikel) gehoeren in nahe Zonen zur Kommissionierung und Versandzone – typischerweise auf ergonomischer Hoehe und mit kurzen Wegen. Langsamdreher (C-Artikel) koennen weiter entfernt oder in Hoehenbereichen mit geringerer Zugangsfrequenz eingelagert werden. Die Umschlaghaeufigkeit ist damit der wichtigste Hebel fuer Put-Away-Regeln.

FIFO und MHD bei verderblicher Ware

Bei Artikeln mit Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) oder Chargenpflicht muss Put-Away die FIFO-Logik (First In, First Out) unterstuetzen: Neue Ware wird hinter aeltere Bestaende derselben SKU platziert oder in separaten Chargenbereichen gefuehrt. Falsch eingelagerte Chargen fuehren zu Verderb, Reklamationen und gesetzlichen Problemen bei Lebensmitteln.

Groesse, Gewicht und Lagerbedingungen

Schwere Paletten landen in Bodenstellplaetzen oder niedrigen Regalreihen. Kleinteile gehoeren in Fachboeden oder Schuette. Temperaturgefuehrte Ware (Kuehlkette) erfordert sofortiges Put-Away in gekuehlte Zonen – jede Minute ausserhalb der Kaeltekette zaehlt.

Wichtig: Put-Away-Regeln muessen im WMS hinterlegt und mit der physischen Lagerstruktur abgestimmt sein. Regeln nur auf Papier ohne Systemunterstuetzung fuehren zu Inkonsistenzen und Bestandsabweichungen.

Der Put-Away-Prozess Schritt fuer Schritt

Typische Ablaufschritte im Eigenlager

  1. Wareneingang abschliessen: Lieferung geprueft, Mengen und Qualitaet dokumentiert, SKU im System erfasst.
  2. Put-Away-Auftrag erhalten: WMS generiert Einlagerungsauftrag mit Ziel-Lagerplatz oder Zielzone.
  3. Transportmittel waehlen: Hubwagen, Palettenhubwagen oder Schubkarre je nach Gewicht und Verpackungseinheit.
  4. Zum Zielplatz fahren: Lagerkennzeichnung (Regal, Gang, Ebene, Fach) beachten.
  5. Scan Lagerplatz und SKU: Barcode des Platzes und der Ware scannen – Bestand wird gebucht.
  6. Physische Einlagerung: Ware sicher abstellen, ggf. Stapelfristen und Gewichtsgrenzen einhalten.
  7. Abschluss bestaetigen: WMS-Status auf „eingelagert“ setzen – Bestand ist ab sofort fuer Auftragsfreigabe verfuegbar.

Put-Away am Packtisch-nahen Wareneingang

1
Scan Lieferung
2
Pruefung OK
3
WMS zeigt Zielplatz
4
Transport
5
Scan Platz
6
Ware abstellen
7
Bestand freigegeben

Put-Away bei 3PL-Partnern

Externe Fulfillment-Partner uebernehmen Put-Away im Rahmen des Onboarding und der Wareneinspeisung. SLAs zur Einlagerungszeit und ASN-basierte Vorabankuendigung sollten vertraglich geregelt sein.

Technische Systeme: WMS, Scanner und Lagerplatzlogik

Put-Away laeuft in professionellen Lagern nicht ohne digitale Unterstuetzung. Das WMS ist das zentrale Steuerungssystem.

System / Werkzeug
Rolle bei Put-Away
Typische Funktionen
WMS
Lagerplatzvorschlag, Buchung, Bestandsfuehrung
Put-Away-Auftraege, Zonenregeln, ABC-Logik, Chargenfuehrung
Barcode-Scanner / MDE
Fehlerpraevention vor Ort
Scan von SKU, Lagerplatz, Charge; Echtzeit-Rueckmeldung ans WMS
ERP / OMS
Stammdaten und Bestandsuebersicht
SKU-Anlage, Lieferantenbuchung; keine Lagerplatzsteuerung
ASN (Advance Shipping Notice)
Vorabinformation zum Wareneingang
Put-Away-Vorbereitung, Kapazitaetsplanung in der Annahmezone

Ohne Scan am Lagerplatz steigt die Fehlerquote: Ware landet am falschen Platz, der Bestand stimmt nicht, und die Inventur deckt Differenzen auf, die aufwaendig zu klaeren sind.

Tipp: Nutze beim Put-Away konsequent den Scan des Lagerplatzes – nicht nur der SKU. Nur so ist sichergestellt, dass physischer Ort und Systembestand uebereinstimmen.

KPIs und Qualitaetsmessung beim Put-Away

Erfolgreiches Put-Away laesst sich an klaren Kennzahlen messen. Diese gehoeren in jedes Lager-Reporting.

KPI
Bedeutung
Zielrichtung
Typischer Benchmark
Put-Away-Zeit pro Einheit
Dauer von Freigabe bis Buchung am Zielplatz
Niedriger
Abhaengig von SKU und Distanz; unter 5 Min. pro Karton im Kleinlager
Wareneingang bis verfuegbar
Gesamtzeit bis Bestand fuer Picking sichtbar ist
Niedriger
24–48 Stunden bei 3PL ueblich; Same-Day im Eigenlager moeglich
Put-Away-Genauigkeit
Anteil korrekt gebuchter Lagerplaetze
Hoch (ueber 99 %)
Mit Scanner nahezu 100 % erreichbar
Put-Away-Effizienz: Die durchschnittliche Put-Away-Zeit pro Palette sinkt typischerweise deutlich nach WMS-Einfuehrung – besonders bei steigendem Tagesvolumen, wo manuelle Einlagerung frueher einen Engpass bildete.

Haeufige Fehler und wie Sie sie vermeiden

Typische Put-Away-Probleme: falsche Lagerplaetze ohne Scan, ueberfuellte Faecher, verzoegertes Einlagern in der Annahmezone, ignorierte FIFO-/Chargenregeln und fehlende SKU-Stammdaten. Jeder dieser Fehler fuehrt zu Bestandsabweichungen und blockiert die Auftragsfreigabe.

Ware in der Annahmezone ohne abgeschlossenes Put-Away ist fuer den Verkauf oft unsichtbar. Priorisieren Sie Einlagerungsstaus vor neuen Lieferungen.

Checkliste: Put-Away-Prozess einrichten und optimieren

Nutzen Sie diese Checkliste fuer die Einrichtung oder Ueberpruefung Ihres Einlagerungsprozesses:

Vorbereitung und Stammdaten

  • Alle SKUs mit Abmessungen, Gewicht und Lagerbedingungen im WMS hinterlegt
  • Lagerplaetze eindeutig gekennzeichnet (Barcode oder Etikett)
  • ABC-Klassen und Umschlaghaeufigkeiten definiert
  • Zonen fuer Wareneingang, Quarantaene und Hauptlager klar getrennt

Prozess und Technik

  • Put-Away-Regeln im WMS konfiguriert (FIFO, feste Plaetze oder chaotisch)
  • Scanner oder MDE fuer Wareneingang und Einlagerung vorhanden
  • Hubwagen und Transportmittel fuer Paletten und Kartons verfuegbar
  • Schulung: Scan-Reihenfolge Lagerplatz + SKU verbindlich

Qualitaet und Monitoring

  • KPI Put-Away-Zeit und Genauigkeit im Reporting erfasst
  • Eskalation bei Einlagerungsstau (z. B. mehr als 24 Stunden in Annahmezone)

Put-Away und die gesamte Lagerkette

Put-Away verbindet Wareneingang mit Kommissionierung und Pick and Pack: Lieferung → Pruefung → Put-Away → Auftragsfreigabe → Pick → Pack → Versand. Richtig platzierte A-Artikel reduzieren Pick-Laufwege deutlich gegenueber unstrukturierter Einlagerung.

Lagerprozesse von Wareneingang bis Versand

1
Wareneingang
2
Put-Away
3
Bestandsfuehrung
4
Picking
5
Pack and Ship

Fazit: Put-Away als Fundament effizienten Fulfillments

Put-Away ist die Basis fuer korrekte Bestaende, kurze Pick-Wege und zuverlaessige Lieferzeiten. Wer Lagerplatzlogik, WMS-Steuerung und konsequentes Scannen verbindet, senkt Fehler und skaliert den Wareneingang mit dem Bestellwachstum – eine der rentabelsten Optimierungen im Lager.

FAQ zu Put-Away

Was ist der Unterschied zwischen Put-Away und Wareneingang?

Wareneingang umfasst die gesamte Annahme, Pruefung und Dokumentation eingehender Lieferungen. Put-Away ist der spezifische Schritt danach: Transport und Buchung der Ware vom Wareneingang zum definitiven Lagerplatz.

Brauche ich ein WMS fuer Put-Away?

Im Kleinlager mit wenigen SKUs ist manuelles Put-Away moeglich. Ab mittlerem Volumen und bei chaotischer Lagerung ist ein WMS praktisch unverzichtbar fuer Lagerplatzvorschlaege, Bestandsfuehrung und Fehlerpraevention.

Was ist chaotische Lagerung?

Bei chaotischer Lagerung werden freie Lagerplaetze dynamisch belegt. Das WMS fuehrt die Zuordnung zwischen SKU und physischem Platz. Maximale Flaechenauslastung bei hoher SKU-Vielfalt – Scanner und WMS sind zwingend erforderlich.

Wie lange darf Ware in der Annahmezone stehen?

Idealerweise nur wenige Stunden. Ware ohne abgeschlossenes Put-Away ist im System oft nicht fuer den Verkauf sichtbar. Viele Betriebe eskalieren bei mehr als 24 Stunden in der Annahmezone.

Wie messe ich Put-Away-Qualitaet?

Ueber KPIs wie Put-Away-Zeit pro Einheit, Zeit von Wareneingang bis verfuegbar und Put-Away-Genauigkeit (Anteil korrekt gebuchter Lagerplaetze). Mit Scanner sollte die Genauigkeit nahezu 100 % erreichbar sein.

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