Put-Away und Einlagerung
Put-Away (englisch fuer „Wegbringen“ oder „Einlagern“) bezeichnet den Lagerprozess, bei dem Ware nach dem Wareneingang von der Annahmezone an den definitiven Lagerplatz transportiert und dort gebucht wird. Im deutschen Fulfillment-Kontext wird Put-Away synonym mit Einlagerung, Einraeumen oder Lagerplatzierung verwendet. Es ist der entscheidende Schritt zwischen Wareneingangspruefung und der spaeteren Kommissionierung – und damit die Grundlage fuer korrekte Bestandsfuehrung, kurze Pick-Laufwege und zuverlaessige Lieferzeiten.
Ein schlecht organisierter Put-Away-Prozess verursacht Folgekosten: Artikel landen auf falschen Plaetzen, Bestaende stimmen nicht, Pickfehler steigen und teure Regalflaeche wird verschwendet. Professionelles Put-Away hingegen verbindet physische Logistik mit intelligenter Lagerplatzlogik – manuell im Kleinlager oder vollautomatisch im modernen Fulfillment Center.
Definition: Was Put-Away im Fulfillment bedeutet
Put-Away beginnt, sobald eingehende Ware die Wareneingangspruefung bestanden hat und fuer den Verkaufsbestand freigegeben ist. Der Prozess endet, wenn die Ware physisch am Ziel-Lagerplatz liegt und das WMS (Warehouse Management System) den Bestand auf Lagerplatzebene aktualisiert hat.
Im engeren Sinne umfasst Put-Away:
- Lagerplatzermittlung: Das System oder der Mitarbeiter bestimmt den optimalen Stellplatz nach Regeln (ABC-Klasse, Groesse, Temperatur, FIFO).
- Transport: Hubwagen, Foerderband, AGV oder manueller Transport von der Wareneingangszone zum Zielplatz.
- Buchung: Scan des Lagerplatzes und der SKU – Bestand wird von „Wareneingang“ auf „verfuegbar am Lagerplatz X“ umgebucht.
- Bestaetigung: Abschluss im WMS, damit die Ware fuer Picking und Auftragsfreigabe sichtbar ist.
Prozessfluss: Put-Away im Wareneingang
Abgrenzung: Put-Away vs. Wareneingang vs. Einlagerung
Die Begriffe werden oft vermischt, unterscheiden sich aber klar:
- Wareneingang: Gesamter Prozess der Annahme, Pruefung und Dokumentation eingehender Lieferungen.
- Put-Away: Spezifisch der Transport und die Buchung vom Wareneingang zum Lagerplatz.
- Einlagerung: Oberbegriff auf Deutsch, der Put-Away und ggf. die vorherige Pruefung umfasst.
Im Pick-Pack-Ship-Ablauf liegt Put-Away am Anfang der Lagerkette – noch bevor Auftraege kommissioniert werden. Fehler hier wirken sich auf den gesamten Fulfillment-Prozess aus.
Put-Away-Strategien im Ueberblick
Die Wahl der Einlagerungsstrategie beeinflusst Laufwege beim Picking, Lagerplatznutzung und Durchsatz im Wareneingang. Jedes Modell optimiert einen anderen Hebel.
Lagerplatzwahl: Worauf es beim Put-Away ankommt
Die Qualitaet des Put-Away haengt massgeblich von der Lagerplatzlogik ab. Ein gutes WMS beruecksichtigt bei der Platzvorschlag-Generierung mehrere Faktoren gleichzeitig.
ABC-Analyse und Umschlaghaeufigkeit
Schnelldreher (A-Artikel) gehoeren in nahe Zonen zur Kommissionierung und Versandzone – typischerweise auf ergonomischer Hoehe und mit kurzen Wegen. Langsamdreher (C-Artikel) koennen weiter entfernt oder in Hoehenbereichen mit geringerer Zugangsfrequenz eingelagert werden. Die Umschlaghaeufigkeit ist damit der wichtigste Hebel fuer Put-Away-Regeln.
FIFO und MHD bei verderblicher Ware
Bei Artikeln mit Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) oder Chargenpflicht muss Put-Away die FIFO-Logik (First In, First Out) unterstuetzen: Neue Ware wird hinter aeltere Bestaende derselben SKU platziert oder in separaten Chargenbereichen gefuehrt. Falsch eingelagerte Chargen fuehren zu Verderb, Reklamationen und gesetzlichen Problemen bei Lebensmitteln.
Groesse, Gewicht und Lagerbedingungen
Schwere Paletten landen in Bodenstellplaetzen oder niedrigen Regalreihen. Kleinteile gehoeren in Fachboeden oder Schuette. Temperaturgefuehrte Ware (Kuehlkette) erfordert sofortiges Put-Away in gekuehlte Zonen – jede Minute ausserhalb der Kaeltekette zaehlt.
Der Put-Away-Prozess Schritt fuer Schritt
Typische Ablaufschritte im Eigenlager
- Wareneingang abschliessen: Lieferung geprueft, Mengen und Qualitaet dokumentiert, SKU im System erfasst.
- Put-Away-Auftrag erhalten: WMS generiert Einlagerungsauftrag mit Ziel-Lagerplatz oder Zielzone.
- Transportmittel waehlen: Hubwagen, Palettenhubwagen oder Schubkarre je nach Gewicht und Verpackungseinheit.
- Zum Zielplatz fahren: Lagerkennzeichnung (Regal, Gang, Ebene, Fach) beachten.
- Scan Lagerplatz und SKU: Barcode des Platzes und der Ware scannen – Bestand wird gebucht.
- Physische Einlagerung: Ware sicher abstellen, ggf. Stapelfristen und Gewichtsgrenzen einhalten.
- Abschluss bestaetigen: WMS-Status auf „eingelagert“ setzen – Bestand ist ab sofort fuer Auftragsfreigabe verfuegbar.
Put-Away am Packtisch-nahen Wareneingang
Put-Away bei 3PL-Partnern
Externe Fulfillment-Partner uebernehmen Put-Away im Rahmen des Onboarding und der Wareneinspeisung. SLAs zur Einlagerungszeit und ASN-basierte Vorabankuendigung sollten vertraglich geregelt sein.
Technische Systeme: WMS, Scanner und Lagerplatzlogik
Put-Away laeuft in professionellen Lagern nicht ohne digitale Unterstuetzung. Das WMS ist das zentrale Steuerungssystem.
Ohne Scan am Lagerplatz steigt die Fehlerquote: Ware landet am falschen Platz, der Bestand stimmt nicht, und die Inventur deckt Differenzen auf, die aufwaendig zu klaeren sind.
KPIs und Qualitaetsmessung beim Put-Away
Erfolgreiches Put-Away laesst sich an klaren Kennzahlen messen. Diese gehoeren in jedes Lager-Reporting.
Haeufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Typische Put-Away-Probleme: falsche Lagerplaetze ohne Scan, ueberfuellte Faecher, verzoegertes Einlagern in der Annahmezone, ignorierte FIFO-/Chargenregeln und fehlende SKU-Stammdaten. Jeder dieser Fehler fuehrt zu Bestandsabweichungen und blockiert die Auftragsfreigabe.
Checkliste: Put-Away-Prozess einrichten und optimieren
Nutzen Sie diese Checkliste fuer die Einrichtung oder Ueberpruefung Ihres Einlagerungsprozesses:
Vorbereitung und Stammdaten
- Alle SKUs mit Abmessungen, Gewicht und Lagerbedingungen im WMS hinterlegt
- Lagerplaetze eindeutig gekennzeichnet (Barcode oder Etikett)
- ABC-Klassen und Umschlaghaeufigkeiten definiert
- Zonen fuer Wareneingang, Quarantaene und Hauptlager klar getrennt
Prozess und Technik
- Put-Away-Regeln im WMS konfiguriert (FIFO, feste Plaetze oder chaotisch)
- Scanner oder MDE fuer Wareneingang und Einlagerung vorhanden
- Hubwagen und Transportmittel fuer Paletten und Kartons verfuegbar
- Schulung: Scan-Reihenfolge Lagerplatz + SKU verbindlich
Qualitaet und Monitoring
- KPI Put-Away-Zeit und Genauigkeit im Reporting erfasst
- Eskalation bei Einlagerungsstau (z. B. mehr als 24 Stunden in Annahmezone)
Put-Away und die gesamte Lagerkette
Put-Away verbindet Wareneingang mit Kommissionierung und Pick and Pack: Lieferung → Pruefung → Put-Away → Auftragsfreigabe → Pick → Pack → Versand. Richtig platzierte A-Artikel reduzieren Pick-Laufwege deutlich gegenueber unstrukturierter Einlagerung.
Lagerprozesse von Wareneingang bis Versand
Fazit: Put-Away als Fundament effizienten Fulfillments
Put-Away ist die Basis fuer korrekte Bestaende, kurze Pick-Wege und zuverlaessige Lieferzeiten. Wer Lagerplatzlogik, WMS-Steuerung und konsequentes Scannen verbindet, senkt Fehler und skaliert den Wareneingang mit dem Bestellwachstum – eine der rentabelsten Optimierungen im Lager.
FAQ zu Put-Away
Was ist der Unterschied zwischen Put-Away und Wareneingang?
Wareneingang umfasst die gesamte Annahme, Pruefung und Dokumentation eingehender Lieferungen. Put-Away ist der spezifische Schritt danach: Transport und Buchung der Ware vom Wareneingang zum definitiven Lagerplatz.
Brauche ich ein WMS fuer Put-Away?
Im Kleinlager mit wenigen SKUs ist manuelles Put-Away moeglich. Ab mittlerem Volumen und bei chaotischer Lagerung ist ein WMS praktisch unverzichtbar fuer Lagerplatzvorschlaege, Bestandsfuehrung und Fehlerpraevention.
Was ist chaotische Lagerung?
Bei chaotischer Lagerung werden freie Lagerplaetze dynamisch belegt. Das WMS fuehrt die Zuordnung zwischen SKU und physischem Platz. Maximale Flaechenauslastung bei hoher SKU-Vielfalt – Scanner und WMS sind zwingend erforderlich.
Wie lange darf Ware in der Annahmezone stehen?
Idealerweise nur wenige Stunden. Ware ohne abgeschlossenes Put-Away ist im System oft nicht fuer den Verkauf sichtbar. Viele Betriebe eskalieren bei mehr als 24 Stunden in der Annahmezone.
Wie messe ich Put-Away-Qualitaet?
Ueber KPIs wie Put-Away-Zeit pro Einheit, Zeit von Wareneingang bis verfuegbar und Put-Away-Genauigkeit (Anteil korrekt gebuchter Lagerplaetze). Mit Scanner sollte die Genauigkeit nahezu 100 % erreichbar sein.