Anbindung und Schnittstellen

Die technische Anbindung ist das Rückgrat jeder Fulfillment-by-DHL-Partnerschaft. Ohne funktionierende Schnittstellen zwischen Shop, Order Management System (OMS), Warenwirtschaft und DHL-Fulfillment-Center bleiben Bestellungen liegen, Bestände weichen ab und Kunden erhalten keine Tracking-Informationen. Wer die Anbindung von Anfang an sauber plant, spart Wochen Fehlersuche nach dem Go-live und skaliert problemlos über Black Friday, Marktplatz-Peaks und internationale Expansion hinaus.

Dieser Leitfaden erklärt, welche Schnittstellen DHL Fulfillment typischerweise anbietet, wie Daten zwischen Ihren Systemen und dem Fulfillment-Center fließen, und welche Schritte Händler für eine stabile Integration durchlaufen sollten. Er ergänzt den Leistungsumfang DHL Fulfillment um die IT-Perspektive und verknüpft sie mit allgemeinen Auswahlkriterien zur technischen Anbindung bei 3PL-Partnern.

Warum die Anbindung entscheidend ist

Fulfillment by DHL ist kein isolierter Versanddienst, sondern ein voll integrierter 3PL-Prozess. Ihr Shop erzeugt Aufträge, DHL kommissioniert und versendet im Lager – die Brücke dazwischen sind Schnittstellen. Fehler in dieser Brücke wirken sich unmittelbar auf Kundenzufriedenheit, Marktplatz-Bewertungen und operative Kosten aus.

Typische Folgen einer mangelhaften Anbindung:

  • Doppelversand oder Nichtversand – Bestellungen werden nicht übertragen oder doppelt ausgelöst
  • Bestandsabweichungen – Shop zeigt Verfügbarkeit, Lager meldet Leerstand
  • Fehlendes Tracking – Kunden erhalten keine Sendungsnummer, Support-Aufwand steigt
  • Verzögerte Retouren – Rücksendungen werden nicht im WMS gebucht, B-Ware bleibt unsichtbar
  • SLA-Verstöße – Cut-off-Zeiten werden verpasst, weil Orders zu spät ankommen
Wichtig: Die Anbindung ist kein einmaliges IT-Projekt, sondern ein laufender Prozess. Shop-Updates, neue Marktplätze, SKU-Erweiterungen und Tarifänderungen bei DHL erfordern regelmäßige Abstimmung zwischen Händler-IT, Middleware-Anbieter und DHL Fulfillment.

Systemlandschaft im Überblick

Bei DHL Fulfillment arbeiten mindestens drei Systeme zusammen: Ihr Vertriebssystem (Shop, Marktplatz, ERP), optional eine Middleware oder ein OMS, und das Warehouse Management System (WMS) im DHL-Fulfillment-Center. DHL liefert über standardisierte oder individualisierte Schnittstellen die Datenbrücke zwischen diesen Welten.

DHL Fulfillment IT-Anbindung

1
Shop/Marktplatz
2
OMS/Middleware
3
DHL Fulfillment API
4
WMS DHL-Center
5
DHL Versand/Tracking
6
Rückmeldung an Shop

Bidirektionale Datenflüsse zwischen OMS/Middleware und DHL Fulfillment API (Bestellungen rein, Status raus) sowie von DHL Versand/Tracking zurück zum Shop. Echtzeit-Calls sind automatisiert; Batch-Importe (ASN, Inventur) laufen in definierten Intervallen.

Kernsysteme und ihre Rolle

  1. Shop-System – Nimmt Bestellungen entgegen, zeigt Bestände an, löst Versand aus
  2. OMS / ERP – Bündelt Multi-Channel-Orders, validiert Adressen, steuert Prioritäten
  3. Middleware – Übersetzt Formate zwischen Shop und DHL (REST, EDI, CSV)
  4. DHL Fulfillment-Schnittstelle – Empfängt Orders, meldet Bestände und Versandstatus
  5. WMS im Fulfillment-Center – Steuert Pick-Pack-Ship, Inventur, Retouren
  6. DHL Versand-API – Erzeugt Labels, Tracking-Events, Zustellnachweise

Mehr zu den Begriffen finden Sie im Glossar zu OMS und WMS.

Schnittstellentypen im Vergleich

DHL Fulfillment unterstützt je nach Vertragsumfang und Volumen unterschiedliche Integrationswege. Die Wahl hängt von Ihrer IT-Ressource, dem Shop-System und der gewünschten Automatisierungstiefe ab.

Schnittstellentyp
Typischer Einsatz
Vorteile
Nachteile
Automatisierung
REST-API
Echtzeit-Order-Export, Status-Rückmeldung
Schnell, bidirektional, skalierbar
Entwicklungsaufwand, API-Versionierung beachten
Sehr hoch
EDI (EDIFACT/XML)
Großvolumen, Enterprise-ERP, B2B
Standardisiert, auditierbar, massentauglich
Setup-Kosten, längere Einführung
Hoch
Native Shop-Connector
Shopify, Shopware, WooCommerce
Schneller Go-live, wenig Eigenentwicklung
Abhängigkeit vom Connector-Anbieter
Mittel bis hoch
CSV/SFTP-Batch
Startphase, Nischen-Shops, Pilotprojekte
Einfach, geringe Einstiegshürde
Verzögerung, manuelle Fehler, kein Echtzeit-Bestand
Niedrig
Middleware (z. B. Billbee, JTL)
Multi-Channel, mehrere 3PL gleichzeitig
Zentrale Steuerung, Format-Übersetzung
Zusätzliche Kosten, weitere Fehlerquelle
Hoch
Tipp: Starten Sie mit dem Integrationsweg, den DHL für Ihr Shop-System bereits zertifiziert hat. Eigenentwicklung lohnt sich erst ab höherem Order-Volumen oder bei sehr speziellen Prozessanforderungen.

Datenflüsse: Was wird wann übertragen?

Eine stabile Fulfillment-Anbindung lebt von klar definierten Datenflüssen in beide Richtungen. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Nachrichtentypen und ihre typische Frequenz.

Datentyp
Richtung
Inhalt
Typische Frequenz
Auftrag (Order)
Händler → DHL
SKU, Menge, Lieferadresse, Versandservice, Referenz
Echtzeit nach Zahlungseingang
Bestandsabgleich (Inventory)
DHL → Händler
Verfügbare Menge je SKU, Sperrbestand, Quarantäne
Stündlich bis täglich
ASN (Advance Shipping Notice)
Händler → DHL
Wareneingang: SKU, Menge, Charge, ETA
Vor jeder Lieferanten-Anlieferung
Ship Confirmation
DHL → Händler
Sendungsnummer, Carrier, Versanddatum, gewichtete Positionen
Nach Label-Druck im Center
Tracking-Events
DHL → Händler/Shop
Statuscodes, Zustellversuche, POD
Bei jedem Scan im DHL-Netzwerk
Retourenmeldung
DHL → Händler
Rücksendegrund, Zustand, Wiedereinlagerung
Nach Wareneingang Retoure

Details zur Advance Shipping Notice finden Sie unter ASN und Advance Shipping Notice. Für Versandlabel und Carrier-APIs im Allgemeinen: Versandlabel und Carrier-API.

Shop-Anbindung und Multi-Channel

Die meisten Händler betreiben nicht nur einen eigenen Shop, sondern verkaufen parallel über Amazon, eBay, Otto oder weitere Marktplätze. DHL Fulfillment muss daher Orders aus allen Kanälen verarbeiten können – idealerweise zentral über ein OMS oder eine Middleware, nicht getrennt pro Kanal.

Empfohlene Architektur für Multi-Channel

  1. Zentraler Order-Hub – Alle Marktplatz- und Shop-Orders laufen in ein OMS oder eine Middleware
  2. Einheitliche SKU-Logik – Gleiche Artikelnummer über alle Kanäle, keine Duplikate im WMS
  3. Priorisierungsregeln – Express-Orders und Premium-Marktplätze vor Standardaufträgen
  4. Bestandsverteilung – Ein Bestandspool im DHL-Center, keine Doppelbuchungen zwischen Kanälen
  5. Tracking-Rückmeldung – Sendungsnummer automatisch an jeden Vertriebskanal zurück

Ausführliche Hinweise zur Shop-Anbindung im Multi-Channel-Fulfillment und zum Onboarding beim Fulfillment-Partner helfen bei der Planung.

Warnung: Marktplätze wie Amazon oder eBay haben eigene SLAs für Versandbestätigung und Tracking. Verzögert sich die Rückmeldung aus dem DHL-Center, drohen Account-Abzüge – unabhängig davon, ob die Ware physisch bereits unterwegs ist.

Implementierung: Schritt für Schritt

Die Einführung der DHL-Fulfillment-Anbindung folgt in der Praxis einem festen Muster. Planen Sie für die Gesamtintegration typischerweise vier bis acht Wochen – abhängig von Shop-System, Middleware und Testumfang.

Phase 1: Anforderungsanalyse

  1. Ist-Aufnahme – Welche Systeme sind im Einsatz (Shop, ERP, PIM, Middleware)?
  2. Datenmodell – SKU-Struktur, Varianten, Bundles, Chargen, MHD
  3. Prozessdefinition – Cut-off-Zeiten, Express-Priorität, Retourenworkflow
  4. Schnittstellenwahl – API vs. EDI vs. Connector; Abstimmung mit DHL-Integrationsteam
  5. SLA-Festlegung – Maximale Übertragungszeit Order → WMS, Bestandsaktualität

Phase 2: Stammdaten und Mapping

  1. SKU-Abgleich – Händler-SKU = WMS-SKU, eindeutige Barcodes/EANs
  2. Adressvalidierung – Leitcodierung, Packstation-Felder, internationale Formate
  3. Versandprodukte mappen – DHL Paket, Kleinpaket, Express je Order-Typ
  4. Retourenadresse – Feste Rücksendeadresse des Fulfillment-Centers hinterlegen
  5. Testdatensatz – Mindestens 20 repräsentative SKUs inkl. Edge Cases

Phase 3: Entwicklung und Konfiguration

  1. Sandbox-Zugang – Test-API oder EDI-Testumgebung von DHL anfordern
  2. Order-Export bauen – Trigger nach Zahlungseingang oder manueller Freigabe
  3. Inventory-Sync – Pull oder Push; Konfliktregeln bei Abweichungen definieren
  4. Ship-Confirmation verarbeiten – Tracking an Shop und Kundenkommunikation
  5. Fehlerhandling – Retry-Logik, Dead-Letter-Queue, Alerting bei Ausfall

Phase 4: Test und Go-live

  1. Unit-Tests – Einzelne API-Calls mit Mock-Daten
  2. End-to-End-Tests – Echte Testbestellung vom Shop bis zur Zustellung
  3. Lasttest – Simulierte Peak-Order-Menge (z. B. 3× Tagesdurchschnitt)
  4. Parallelbetrieb – Kurzphase mit manuellem Abgleich vor Vollumstellung
  5. Go-live-Fenster – Nicht vor Feiertagen oder Peak-Saisons starten

Integration Go-live

1
Anforderungen
2
Stammdaten
3
Entwicklung
4
E2E-Test
5
Produktivbetrieb

Jede Phase schließt mit einem Check-Gate ab, bevor die nächste beginnt. Der Produktivbetrieb startet erst, wenn alle End-to-End-Tests erfolgreich abgeschlossen sind.

Pflichtfelder und Datenqualität

Schlechte Stammdaten sind die häufigste Ursache für Integrationsprobleme. DHL Fulfillment lehnt Orders ab oder verzögert sie, wenn Pflichtfelder fehlen oder Adressen nicht validierbar sind.

Mindestanforderungen pro Outbound-Order:

  • Eindeutige Order-Referenz (Shop-Bestellnummer)
  • Vollständige Lieferadresse inkl. Land und PLZ
  • SKU mit gültiger Artikelnummer und bestellter Menge
  • Versandservice (Standard, Express, Packstation falls gewünscht)
  • Absender-/Retourenkennung laut Vertrag

Häufige Datenfehler:

  • Sonderzeichen in SKU-Namen (Schrägstriche, Leerzeichen)
  • Packstation ohne Postnummer oder ohne korrekte Filialnummer
  • Bundle-Artikel als Einzel-SKU statt als Stückliste
  • Doppelte Order-Referenz bei Retry ohne Idempotenz-Key
  • Falsche Gewichtsangaben bei versandkostenrelevanten Produkten

Datenqualität vor Go-live

  • SKU-Mapping 100 % abgedeckt
  • EAN/Barcode pro Artikel geprüft
  • Adressvalidierung aktiv
  • Packstation-Logik getestet
  • ASN für Erstwareneingang übermittelt
  • Retourenadresse konfiguriert
  • Idempotenz bei Order-Export
  • Monitoring-Alerts eingerichtet

Monitoring, KPIs und Fehlerbehebung

Nach dem Go-live endet die Integrationsarbeit nicht. Kontinuierliches Monitoring sichert SLAs und erkennt Abweichungen, bevor Kunden es merken.

Wichtige Integrations-KPIs

KPI
Zielwert (Richtwert)
Messpunkt
Order-Übertragungsrate
> 99,5 % ohne manuellen Eingriff
Shop → DHL API
Übertragungslatenz
< 5 Minuten nach Auftragsfreigabe
Zeitstempel Order vs. WMS-Eingang
Bestandsabweichung
< 1 % der SKUs pro Abgleich
Shop-Bestand vs. WMS-Meldung
Tracking-Rückmeldung
> 99 % innerhalb 2 Stunden nach Versand
Ship Confirmation → Shop
API-Fehlerrate
< 0,5 % aller Requests
HTTP 4xx/5xx, Timeout

Integrations-Stabilität nach Go-live

Monat 1

Order-Übertragungsrate typisch ca. 95 % – Fehlerbehebung und Stammdatenbereinigung laufen

Monat 3

Stabilisierung auf ca. 98–99 % durch optimierte Retry-Logik und Mapping-Korrekturen

Monat 6

Zielwert erreicht: ca. 99,8 % ohne manuellen Eingriff im Regelbetrieb

Typische Fehler und Lösungen

  1. Order stuck in Queue – Middleware-Log prüfen, API-Credentials und Rate-Limits kontrollieren
  2. Bestand im Shop zu hoch – Sync-Frequenz erhöhen, Sperrbestand im WMS prüfen
  3. Kein Tracking beim Kunden – Ship Confirmation Webhook/Polling aktivieren
  4. ASN abgelehnt – SKU existiert nicht im WMS; Stammdaten vor Anlieferung anlegen
  5. Doppelversand – Idempotenz-Key auf Order-Referenz setzen, Retry-Logik begrenzen

Sicherheit, Datenschutz und Compliance

Fulfillment-Schnittstellen übertragen personenbezogene Kundenadressen und Bestelldaten. Das erfordert technische und vertragliche Absicherung.

Technische Mindeststandards:

  • Verschlüsselte Übertragung (TLS 1.2 oder höher)
  • API-Authentifizierung über OAuth, API-Key oder Zertifikat – keine Klartext-Credentials
  • IP-Whitelisting wo vom Vertrag vorgesehen
  • Protokollierung ohne Speicherung unnötiger Personendaten
  • Regelmäßige Credential-Rotation

Vertraglich:

  • Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit DHL als Auftragsverarbeiter
  • Klare Löschfristen für Kundendaten in Logs und Testsystemen
  • Dokumentierte Eskalationswege bei Datenpannen

Anbindung vs. reiner DHL-Versand

Fulfillment by DHL unterscheidet sich technisch vom klassischen DHL-Geschäftskundenversand. Wer nur Labels über das Geschäftskundenportal druckt, braucht keine WMS-Anbindung – wer Lager und Versand outsourct, braucht die vollständige Fulfillment-Schnittstelle.

Aspekt
DHL Fulfillment-Anbindung
Reine Versand-API
Scope
Lager + Versand + Retouren
Nur Label und Tracking
Bestandssync
Ja, bidirektional
Nein
ASN/Wareneingang
Ja
Nein
Typischer Nutzer
3PL-Kunde mit Outsourcing
Eigenlager mit DHL-Versand

Mehr Kontext zum Gesamtangebot: DHL Fulfillment by DHL.

Praxis-Checkliste: Anbindung erfolgreich abschließen

Vor dem produktiven Start sollten alle Punkte dieser Checkliste erfüllt sein:

  • Schnittstellentyp mit DHL abgestimmt und dokumentiert
  • Sandbox-Tests für Order, Inventory und Ship Confirmation bestanden
  • Mindestens eine End-to-End-Testbestellung physisch zugestellt
  • SKU-Stammdaten zu 100 % im WMS angelegt
  • ASN für Erstwareneingang erfolgreich übermittelt
  • Cut-off-Zeiten im Shop-Workflow berücksichtigt
  • Tracking-Rückmeldung an alle Vertriebskanäle aktiv
  • Monitoring und Alerting bei API-Ausfall konfiguriert
  • Eskalationskontakte bei DHL und Middleware hinterlegt
  • Rollback-Plan für den Go-live-Tag definiert

Typischer Integrationszeitplan

W1–2
Anforderungen und Mapping
W3–4
Entwicklung Sandbox
W5–6
End-to-End-Tests
W7
Parallelbetrieb
W8
Go-live (Peak-Saisons meiden)

Fazit

Die Anbindung an DHL Fulfillment ist der Schlüssel, um aus dem Outsourcing-Modell den versprochenen Skalierungs- und Effizienzgewinn zu holen. REST-APIs, EDI, native Connectors oder Middleware – die richtige Wahl hängt von Volumen, IT-Kapazität und Multi-Channel-Komplexität ab. Entscheidend sind nicht nur die technische Implementierung, sondern Datenqualität, durchgängiges Monitoring und ein strukturiertes Onboarding.

Wer Schnittstellen von Beginn an als strategisches Projekt behandelt, vermeidet teure Nacharbeiten, hält Marktplatz-SLAs ein und liefert Kunden zuverlässig Tracking und kurze Lieferzeiten – unabhängig davon, ob zehn oder zehntausend Bestellungen pro Tag anfallen.

Verwandte Themen

Häufig gestellte Fragen zur Anbindung und den Schnittstellen bei DHL Fulfillment

Frage
Antwort
Warum ist die technische Anbindung bei Fulfillment by DHL so entscheidend?
Fulfillment by DHL ist kein isolierter Versanddienst, sondern ein voll integrierter 3PL-Prozess: Der Shop erzeugt Aufträge, DHL kommissioniert und versendet im Lager – die Brücke dazwischen sind Schnittstellen. Ohne funktionierende Verbindungen zwischen Shop, OMS, Warenwirtschaft und DHL-Fulfillment-Center bleiben Bestellungen liegen, Bestände weichen ab und Kunden erhalten keine Tracking-Informationen. Typische Folgen mangelhafter Anbindung sind Doppelversand oder Nichtversand, Bestandsabweichungen, fehlendes Tracking, verzögerte Retouren und SLA-Verstöße durch verpasste Cut-off-Zeiten. Die Anbindung ist zudem kein einmaliges IT-Projekt, sondern ein laufender Prozess bei Shop-Updates, neuen Marktplätzen und SKU-Erweiterungen.
Welche Schnittstellentypen unterstützt DHL Fulfillment und wann eignet sich welcher Weg?
DHL Fulfillment bietet je nach Vertragsumfang und Volumen mehrere Integrationswege. Die REST-API eignet sich für Echtzeit-Order-Export und Status-Rückmeldung und ist schnell, bidirektional und skalierbar, erfordert aber Entwicklungsaufwand und API-Versionierung. EDI (EDIFACT/XML) ist für Großvolumen, Enterprise-ERP und B2B gedacht: standardisiert und massentauglich, dafür mit höheren Setup-Kosten. Native Shop-Connectoren für Shopify, Shopware oder WooCommerce ermöglichen einen schnellen Go-live mit wenig Eigenentwicklung. CSV/SFTP-Batch eignet sich für Startphase und Pilotprojekte, bietet aber keinen Echtzeit-Bestand. Middleware wie Billbee oder JTL bündelt Multi-Channel und mehrere 3PL, verursacht aber zusätzliche Kosten. Der Tipp aus dem Leitfaden: zuerst den von DHL für das Shop-System zertifizierten Weg wählen.
Welche Datenflüsse laufen zwischen Händler und DHL Fulfillment?
Die Anbindung lebt von klar definierten bidirektionalen Nachrichten. Aufträge gehen vom Händler an DHL in Echtzeit nach Zahlungseingang und enthalten SKU, Menge, Lieferadresse, Versandservice und Referenz. Der Bestandsabgleich läuft von DHL zum Händler stündlich bis täglich und meldet verfügbare Mengen, Sperrbestand und Quarantäne. ASN (Advance Shipping Notice) sendet der Händler vor jeder Lieferanten-Anlieferung mit SKU, Menge, Charge und ETA. Ship Confirmation kommt nach Label-Druck im Center zurück mit Sendungsnummer, Carrier und Versanddatum. Tracking-Events folgen bei jedem Scan im DHL-Netzwerk; Retourenmeldungen nach Wareneingang der Retoure mit Rücksendegrund, Zustand und Wiedereinlagerung.
Wie sollte die Shop-Anbindung bei Multi-Channel mit Amazon, eBay oder Otto aussehen?
Die meisten Händler verkaufen parallel über eigene Shops und Marktplätze. DHL Fulfillment muss Orders aus allen Kanälen verarbeiten können – idealerweise zentral über ein OMS oder eine Middleware, nicht getrennt pro Kanal. Empfohlen werden ein zentraler Order-Hub, einheitliche SKU-Logik ohne Duplikate im WMS, Priorisierungsregeln für Express und Premium-Marktplätze, ein gemeinsamer Bestandspool im DHL-Center sowie automatische Tracking-Rückmeldung an jeden Vertriebskanal. Wichtig: Marktplätze wie Amazon oder eBay haben eigene SLAs für Versandbestätigung und Tracking. Verzögert sich die Rückmeldung aus dem DHL-Center, drohen Account-Abzüge – unabhängig davon, ob die Ware physisch bereits unterwegs ist.
Wie lange dauert die Implementierung und welche Phasen gibt es?
Für die Gesamtintegration sind typischerweise vier bis acht Wochen einzuplanen, abhängig von Shop-System, Middleware und Testumfang. Phase 1 umfasst Anforderungsanalyse mit Ist-Aufnahme, Datenmodell, Prozessdefinition, Schnittstellenwahl und SLA-Festlegung. Phase 2 klärt Stammdaten und Mapping: SKU-Abgleich, Adressvalidierung, Versandprodukte, Retourenadresse und einen Testdatensatz mit mindestens 20 repräsentativen SKUs. Phase 3 deckt Entwicklung und Konfiguration ab – Sandbox, Order-Export, Inventory-Sync, Ship-Confirmation und Fehlerhandling mit Retry und Alerting. Phase 4 umfasst Unit- und End-to-End-Tests, Lasttest mit etwa dreifachem Tagesdurchschnitt, Parallelbetrieb und ein Go-live-Fenster abseits von Feiertagen und Peak-Saisons. Jede Phase schließt mit einem Check-Gate ab; der Produktivbetrieb startet erst nach erfolgreichen End-to-End-Tests.
Welche Pflichtfelder und Datenfehler sind bei der Order-Übertragung kritisch?
Schlechte Stammdaten sind die häufigste Ursache für Integrationsprobleme; DHL Fulfillment lehnt Orders ab oder verzögert sie, wenn Pflichtfelder fehlen oder Adressen nicht validierbar sind. Pro Outbound-Order sind mindestens nötig: eindeutige Order-Referenz, vollständige Lieferadresse inkl. Land und PLZ, gültige SKU mit Menge, Versandservice sowie Absender- bzw. Retourenkennung laut Vertrag. Häufige Fehler sind Sonderzeichen in SKU-Namen, Packstation ohne Postnummer oder Filialnummer, Bundle-Artikel als Einzel-SKU statt Stückliste, doppelte Order-Referenzen bei Retry ohne Idempotenz-Key und falsche Gewichtsangaben. Vor Go-live sollten SKU-Mapping, EAN/Barcode, Adressvalidierung, Packstation-Logik, ASN für den Erstwareneingang, Retourenadresse, Idempotenz und Monitoring-Alerts geprüft sein.
Worin unterscheidet sich die DHL-Fulfillment-Anbindung von einer reinen Versand-API?
Fulfillment by DHL unterscheidet sich technisch vom klassischen DHL-Geschäftskundenversand. Wer nur Labels über das Geschäftskundenportal druckt, braucht keine WMS-Anbindung; wer Lager und Versand outsourct, braucht die vollständige Fulfillment-Schnittstelle. Die Fulfillment-Anbindung umfasst Lager, Versand und Retouren, inklusive bidirektionalem Bestandssync sowie ASN und Wareneingang – typisch für 3PL-Kunden mit Outsourcing. Eine reine Versand-API liefert dagegen nur Label und Tracking, ohne Bestandssync und ohne ASN, und richtet sich an Händler mit Eigenlager, die DHL lediglich als Carrier nutzen.